Reisen mit kühlpflichtigen Medikamenten
Darf ich Spritzen und Pens mit ins Flugzeug nehmen – und wie bleibt mein Medikament unterwegs sicher?

Reisen ist schon komplex genug.
Mit Injektionen wird es oft noch komplizierter. Ob Wochenendtrip, Urlaubsreise, Auslandsaufenthalt, oder Dienstreise:
Wenn Sie auf kühlpflichtige oder kühlkettenpflichtige Medikamente angewiesen sind, kommen beim Reisen zusätzliche Fragen auf:
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Darf ich Spritzen, Pens und Nadeln mit ins Flugzeug nehmen?
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Was passiert bei der Sicherheitskontrolle?
- „Was passiert im Auto, Zug oder Flugzeug?“
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Wie halte ich 2–8 °C über so viele Stunden ein?
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Was, wenn es zu kalt oder zu warm wird?
Diese Unsicherheit ist verständlich – und sie betrifft sehr viele Menschen.
Spritzen und Nadeln im Flugzeug: Was ist erlaubt?
Grundsätzlich gilt: Medizinisch notwendige Spritzen, Nadeln und Injektionshilfen sind im Flugzeug erlaubt.
Wichtig dabei:
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sie sollten sicher verpackt sein
- zum Schutz der Temperatur (2-8 °C) sollten Sie Ihre kühl(ketten)pflichtige Medikamente in einer validierten Kühltasche transportieren
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transportieren Sie Ihre temperaturempfindlichen Medikamente im Handgepäck, nicht im Aufgabegepäck
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Nadeln am besten in einem sicheren Schutzbehälter
- Das Medikament und die Kühtlasche müssen vorher NICHT bei den Fluggesellschaften angemeldet werden
Dokumente, die Ihre Flugreise deutlich erleichtern
Auch wenn es nicht immer verpflichtend ist, empfiehlt es sich dringend, Folgendes mitzuführen:
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das Medikament in Originalverpackung mit Etikett
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eine Kopie des Rezepts
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eine ärztliche Bescheinigung über die Notwendigkeit der Injektionen
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ggf. eine kurze Erklärung auf Englisch bei internationalen Reisen
👉 Das reduziert Rückfragen und Stress an der Sicherheitskontrolle erheblich.
Temperatur: das größere Risiko liegt nicht bei der Kontrolle – sondern während der Reise
Während viele sich auf die Sicherheitskontrollen konzentrieren, wird das eigentliche Risiko oft unterschätzt: die Medikamenten-Temperatur.
❗ Medikamentenschäden geschehen unterwegs aufgrund von falschen Temperaturen – leise und unsichtbar.
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lange Wartezeiten, Stau, unvorhersehbare Verspätungen
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starke Temperatur-Schwankungen in den Flugzeugkabinen
- kein Kühlschrank unterwegs (Medikamente werden aus Haftungsgründen nicht an Bord gekühlt)
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Kühltaschen, die nicht validiert sind und die Medikamente gefrieren oder deren Kühldauer viel zu kurz ist
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improvisierte Kühlung unterwegs
Ohne sichere Kühlung sorgt all das dafür, dass das Medikament zu kalt und/oder zu warm wird. Die Folge:
Unter 2 °C beginnt die Kältedenaturierung empfindlicher Moleküle. Das bedeutet, dass sich diese verformen.
Über 8 °C beschleunigt Wärme die Entstehung von Abbauprodukten.
Das häufigste Reiseproblem: Die Kühltasche ist zu klein – oder kühlt zu „aggressiv“
Viele Menschen wählen unterwegs bewusst kleine Kühltaschen.
Sie wirken praktisch, unauffällig und leicht zu transportieren.
Das Problem: Genau diese Taschen sind für Medikamente besonders gefährlich.
Warum kleine Kühltaschen in der Regel Medikamente schädigen
Was kaum bekannt ist:
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nahezu alle Kühltaschen auf dem Markt sind nicht für Medikamente validiert – egal ob groß oder klein. Es gibt hierzu keine gesetzlichen Vorgaben.
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sie arbeiten mit direktem Kältekontakt
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die Temperatur fällt in den ersten Minuten unter 0 °C in tiefe Minusgrade
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Medikamente gefrieren bereits in den ersten Minuten nach dem Einlegen
❄️ Der Schaden für Ihr Medikament passiert schnell – und bleibt für Sie unsichtbar.
Selbst größere Taschen haben dasselbe Problem:
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kein Temperaturverlauf über 2 °C, auch wenn
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schlechte Isolierung und schlechter Aufbau: keine Absicherung gegen Einfrieren
- Vermeintlich sichere Temperaturkurven, die jedoch nicht der Realität entsprechen, da es hier keine gesetzlichen Vorgaben gibt. Tricksen ist sehr einfach.
Die andere Seite: Nicht zu kalt – aber viel zu kurz
Einige Taschen frieren nicht ein. Dafür ist die Kühldauer extrem kurz. Tests zeigen, dass in der Realität:
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nicht viele Stunden, sondern einige Minuten
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für Reisen nicht realistisch
👉 Für längere Fahrten, Wartezeiten oder Flugreisen sind diese Lösungen nicht geeignet.
